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Wertschätzung von Arbeit

Ehre, wem Ehre gebührt Gedicht von Bertold Brecht 1935

Foto aus Bundesarchiv
Bert Brecht 1954

Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf.

Wer baute das siebentorige Theben? In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herangeschleppt? Und das mehrfach zerstörte Babylon? Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute? Wohin gingen an dem Abend, als die Chinesische Mauer fertig war,  die Maurer?

Das große Rom ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie? Über wen triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis brüllten die Ersaufenden nach ihren Sklaven.

Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein? Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch an Bord? Philipp von Spanien weinte als seine Flotte untergegangen war. Weinte sonst niemand? Friedrich der Zweite siegte im siebenjährigen Krieg.  Wer siegte außer ihm?

Jede Seite ein Sieg.  Wer kochte den Siegesschmaus? Alle zehn Jahre ein großer Mann. Wer bezahlte die Spesen?

So viele Berichte. So viele Fragen.

BERTOLT BRECHT, Schriftsteller und Regisseur, war einer der bedeutendsten Autoren der Arbeiterliteratur zur Zeit der Weimarer Republik, einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit und einer der einflussreichsten deutschen Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Sein Gesamtwerk umfasst mehr als 30 Theaterstücke, über 2500 Gedichte und Lieder, drei Romane, mehrere Dramen- und Romanfragmente sowie über 150 Prosaarbeiten, dazu Tagebücher und Briefe.

Bekannteste Werke:

  • Die Dreigroschenoper
  • Mutter Courage und ihre Kinder
  • Herr Puntila und sein Knecht Matti
  • Der kaukasische Kreidekreis.

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