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Als wir jung waren gab es die „Alten“

Unsere Studienreise 1957 ins Rheinland

Wer waren die “Alten”, die mehr wissen als Du?

Eine Briefrolle an meine Mutter von ihrem Bruder Alfred. Alfred kehrte”soweit die Füße tragen” 1945 lebendig aus dem Rußland-Feldzug nach Lübeck zurück.

Der “Alte”, das ist bis heute der Chef in der Firma. Der “Alte” aber ist auch der Vater. Die “Alte” war die Mutter, wenn sie nicht zugegen war.

Auf sich gestellt waren wir Kinder der 1940er Jahre. Unsere Väter waren  im Krieg. Entweder waren sie gefallen, oder sie waren Soldaten oder in Kriegsgefangenschschaft. Einige sahen wir verletzt nach Hause kommen.

Als Kinder und Jugendliche waren wir mit unseren Müttern jahrelang allein. Die verständnisvollen “Alten” waren unsere Großeltern. Sie halfen uns, wo sie konnten. Wir waren 17 Jahre alt, als das Saarland 1957, nach einer Volksabstimmung, von Fankreich wieder an Deutschland angegliedert wurde. Mit der deutschen Einigung 1990, waren wir gerade mal 50 Jahre alt und hatten unsere eigenen Kinder teils noch nicht groß gezogen.

Wir waren 1955 15 Jahre alt, als die letzten Kriegsgefangenen aus Russland nach Deutschland zurückgeführt wurden. Deutschland war nicht in vier Teile, sondern in fünf Teile, Polen, Frankreich, USA, England, Russland geteilt. Berlin war viergeteilt. Österreich war nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1955 von Streitkräften der Alliierten besetzt. Ich wurde 1961 zur Bundeswehr eingezogen.

Es waren vor allem alte Männer der Weimarer Republik um Konrad Adenauer, die Regierungsgeschäfte übernahmen. Gemeinsam mit ihnen bauten wir Deutschland auf. Wen wunderte es, dass einige dabei waren, die da nicht hin gehörten? Zurückgekehrte Heißsporne waren Verbrecher, die abgeurteilt wurden, oder sie sind bekehrt aus dem Krieg heimgekehrt (Heimkehrer).

Wir wollten die Welt verstehen

Wie konnte es umgangssprachlich dazu kommen unsere Eltern alt zu finden? Nun, unsere Mutter hatte keine Antworten auf unsere drängenden Fragen. Unseren Vater kannten wir kaum. Mutter musste wegsehen oder schweigen, wenn wir Fragen stellten. Wenn wir heimlich etwas gehört hatten und Aufklärung forderten, wusste sie nichts, schon gar nicht, wenn der Nachbar oder eine andere Person dabei waren. Unser Väter kamen gealtert zurück. Mein Vater hatte überlebt. Wir mussten ihn erst kennen lernen, als er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft aus Paris lebendig nach Hause kam. Mein Onkel Erich kam 1955 zurück, nach dem Besuch Konrad Adenauers in Moskau. Es gehört viel Ignoranz dazu, nicht verstehen zu wollen, was unsere Eltern fühlten. Daraus folgt: „Du siehst alt aus” (Sprichwort)!

Deine Eltern wissen es, Du nicht

Sie wussten nichts zu sagen, über Politik, nichts über Bürgermeister, Parteien. National-Sozialismus, Antisemitismus? Gab es das? Nach dem Krieg christlich, ja das ging irgendwie. Da war Conny (Konrad Adenauer), ein väterlicher Mann, 75 Jahre alt, mit festgefügter Meinung. Über EVG (europäische Verteidigungsgemenschaft) und Wiederbewaffnung wurde diskutiert. Sozial war notleiden und kommunistisch war abstoßend. In der DDR war der Volksaufstand und Montan-Union war Thema. Europa war Zukunft. Nur heimlich war mein Vater in der Bahn-Gewerkschaft. 1937geborene von uns waren der erste Jahrgang der im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht zum Wehrdienst einberufen wurde. Ich gehöre 1961 zum dritten eingezogenen Jahrgang.

Unsere Großeltern waren für uns da

Unsere Großeltern waren nicht die Alten. Hier fanden wir gefühlt immer Nachsicht und ein offenes Ohr. Es gab Vertrauen und Anteilnahme. Opa und Oma erklärten uns unsere Eltern und die Welt.  Die Ferienbesuche bei Großeltern waren begehrt. Es wurden Bilder gemalt, Briefe geschrieben, wenn Großmutter oder Großvater Geburtstag hatten. Immer mussten wir Weihnachtsgeschenke basteln …

 

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