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Freunde sind solche, die über Dich wachen

Mein Ascheberg bei Plön

„Mein lieber Freund, das machst Du nie wieder”, war die am häufigsten gehörte Redewendung in meiner Kindheit. Je größer der Ungehorsam war, umso größer wurde die anteilnehmende sog. „Freundschaft“. Verbunden mit unterschiedlicher Lautstärke waren die Ansprachen, bis hin zu gefährlichem Schweigen. Da war der steil nach oben gerichtete Zeigefinger, der wild zur Seite hin und her heftig geschüttelt wurde. Meist wurde ich am Ohrläppchen gezogen, was dazu führte, dass Eines länger wurde das Andere. Stellen Sie sich ein kaum 3-jähriges Kind vor, das täglich erfährt, was Freundschaft ist. Ich habe das schnell gelernt.

Heute begegnete ich einem Freund

Als der Freund den Raum betrat, war ich aufgestanden. Unwirsch sagte er bestimmt: „Bleiben Sie sitzen, behalten Sie Platz“. Ich blieb dennoch stehen und bemerkte, ich sei gut erzogen. Er bestand weiter darauf, dass ich mich setzen solle und ich bestand auf meinem Ungehorsam. Ich erklärte, ich würde meistens gerade das gern machen, was ich nicht solle. Das Eis war gebrochen. Lachend setzten wir uns beide.

Klasse 7c 1953 in Mölln

„Ich habe keine Freunde“ sagte er. „Doch“, sagte ich, „ich bin ihr Freund“. Wieder lachten wir beide. „Es war mein Opa, der mich mit 12 Jahren in der voll besetzten S-Bahn aufklärte“, sagte er. „Ich saß da mit rotem Gesicht, nachdem er mich angewiesen hatte niemals einem Mädchen in einen dunklen Hauseingang zu folgen“. Ich antwortete: „Mit 12 Jahren war ich unsterblich in ein Mädchen aus der siebten Klasse verliebt“. Ich war damals in der achten Klasse.

Fünf Jahre Kindheit von 1940 bis 1945

Ich war wohl 3 Jahre alt, als sonntags Kapitän Pfingst regelmäßig zu Besuch kam. Kapitän Pfingst war auch Maler. Ich durfte singen und ihm zusehen. Mir wurde erlaubt unter dem weiß geschmückten Kaffeetisch zu sitzen. Es herrschte vollkommene Stille in dem sonnendurchfluteten Alkoven im 1. Stock des Hauses an der Margaretenstrasse 8 a in Lübeck. Wenn ich sang verstummte jedes Wort in dem Raum. Niemand durfte eintreten und stören. Und ich durfte solange singen, wie ich wollte.

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Es war meine Kindheit in den Kriegswirren mit Bomben, Vernichtung und täglich sichtbarem, grauenhaftem Sterben. Ich habe gelernt, allein mit der Bahn von Bordesholm über Kiel über Ascheberg nach Lübeck zu fahren. Ab und zu musste man aus dem Zug springen wegen Fliegeralarm. Ich hatte gelernt, zu Fuß vom Lübecker Hauptbahnhof über die Moislinger Allee zur Margarethenstraße zu wandern. Ich habe dort die ganz sauberen, frischen Trümmer gesehen und das zerstörte Straßenbahndepot. Als ich 1946 zur Schule kam, konnte ich das kleine und das große Ein-Mal-Eins aufsagen. Nachdem ich mich mit dem großen Ein-Mal-Eins befasste, hatte ich gelernt mit Zahlen zu rechnen. Das hat mir viel Spaß gemacht. Schule war sehr langweilig. Heute will Quickborn Ascheberg verwalten.

Wahre Freunde sind meist unsichtbar

Das Wort „Freund“ ist jetzt im Raum. Wir vereinbarten zu grübeln, wer uns in unserem Leben uns zu dem geführt hat, was wir jetzt sind. Vielleicht erkennen wir den Einen oder den Anderen. Aber die meisten unserer Lehrer, Gönner, Förderer werden wir vergessen haben oder gar nicht wahrgenommen haben. Ohne Förderung, Lernen geht nichts. Immer brauchen wir jemanden, der uns bewegt und uns lehrt, Fortschritt zu machen.

Geister, die Du gerufen hast

An erster Stelle sind dein Vater und deine Mutter deine Freunde. Wo sind die Omas und Opas, die den Kleinkindern den Weg weisen? Sind sie mit dem Wohnmobil unterwegs oder auf Kreuzfahrt? Welchen Raum geben wir unseren Kindern und Kindeskindern? Politik lebt von Mehrheit und Mehrheit kann nur gewöhnlicher Durchschnitt sein. Wie wird Urvertrauen gebildet?

Große Mehrheiten sind gefährlich. Wie lassen wir uns führen?

Überwältigende Mehrheiten sind immer gefährlich. “Wie werden demokratische Mehrheiten gebildet”, das müssen wir uns fragen. Fallen wir auf Scharlatane herein? Weltverbesserer werben um unser Gunst und verbreiten Angst. Es sind einzelne, die den Weg weisen. Sind sie zuverlässig? Misstrauen zieht ein in unsere Gesellschaft. Verlieren wir nicht den Glauben an das Gute. Zu viele handeln aus Kalkül und mit Verführung. Lassen wir uns nicht täuschen und nicht verführen. Lassen wir uns führen.

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